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Skoliose

Die Seitverbiegung der Wirbelsäule in frontaler Ebene mit einer gleichzeitigen Verdrehung (Rotation, Torsion) der Wirbelkörper wird Skoliose genannt. Man unterscheidet zwei Formen:

  • strukturelle (echte) Skoliose: fixierte Seitbiegung und Torsion, d.h. die Wirbelsäule kann von den Betroffenen nicht mehr aktiv vollständig aufgerichtet werden.
  • funktionelle (unechte) Skoliose: keine Fixation bei Seitausbiegung der Wirbelsäule, d.h. sie ist voll ausgleichbar. Beispiel: Beckenschiefstand.

Das Krümmungsmuster ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Je nach Lage der Hauptkrümmung/en unterscheidet man die

  • thorakale Skoliose: Hauptkrümmungsbogen im Brustwirbelsäulenbereich (Rippenbuckel)
  • lumbale Skoliose: Hauptkrümmungsbogen im Lendenwirbelsäulenbereich (Lendenwulst)
  • thorakolumbale Skoliose: Hauptkrümmungsbogen im Übergangsbereich von Brust- und Lendenwirbelsäule
  • Doppel-S-Skoliose (engl. Double-Major): zwei Hauptkrümmungsbögen in Brust- und Lendenwirbelsäule

Etwa 90 Prozent aller Skoliosen haben keine bekannte Ursache (idiopathisch). Frauen sind etwa viermal häufiger betroffen als Männer. Die idiopathische Form der Skoliose tritt oft familiärer gehäuft auf.

Ursachen für eine funktionelle Skoliose können sein:

  • vorgeburtliche Entwicklungsstörungen, wie Fehlbildungen von Wirbeln und Rippen (kongenitale Skoliose; Fehlbildungsskoliose)
  • durch Erkrankungen, die mit einer Schädigung von Muskulatur und Nervensystems einhergehen beispielsweise bei Muskeldystrophie (myopathische Skoliose)
  • durch Erkrankungen des Bindegewebes, z.B. durch schwere Narbenbildung (mesenchymale Skoliose
  • durch Erkrankungen des Knochenstoffwechsels beispielsweise Rachitis, Glasknochenkrankheit (metabolische Skoliose)
  • als Folge einer Strahlentherapie im Kindesalter (radiogene Skoliose)
  • durch schwere Gewalteinwirkung oder Amputationen bei Unfällen, Tumorerktankungen (posttraumatische Skoliose)
  • statische Skoliose beispielsweise bei unterschiedlichen Beinlängen
  • durch schwere Entzündungen im Bereich der Wirbelkörper (entzündliche Skoliose)
  • durch Bandscheibenverschleiß im Erwachsenenalter (degenerative Skoliose) 

Symptome/Zeichen einer Skoliose sind zum Beispiel:

  • ungleiche Schulterhöhe
  • vorstehende Hüfte
  • Rippenbuckel beim Bücken, Lendenwulst
  • nicht gerader Verlauf der Dornfortsatzreihe
  • einseitig vergrößertes Taillendreieck
  • bei Fortschreiten der Krankheit zunehmende Wirbelsäulenkrümmung
  • sehr stark ausgeprägte Verkrümmungen können die Herz-Lungentätigkeit und die Funktion der Verdauungsorgane einschränken

Durch die falsche Beanspruchung der Rückenmuskulatur und der Wirbelgelenke führen Skoliosen im Erwachsenenalter oft zu Rückenschmerzen. Häufig werden gerade geringgradige Skoliosen erst dann erkannt.

Der Verlauf und die Entwicklung einer Skoliose muss ständig überwacht werden, um Fortschreiten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und dieser mit den entsprechenden Behandlungsmaßnahmen entgegenwirken zu können. Die Schwere der Erkrankung wird durch eine Röntgenaufnahme der Brust- und Lendenwirbelsäule in zwei Ebenen ersichtlich. Es wird dabei der Krümmungswinkel nach Cobb (siehe Erläuterung unten) festgestellt. Im Wachstumsalter sollten engmaschige Verlaufskontrollen erfolgen. Eine Facharztüberweisung zum Orthopäden ist bei Krümmungswinkeln > 15-20 Grad nach Cobb zu empfehlen. Bei Krümmungswinkeln < 15-20 Grad nach Cobb sind Einschränkungen bei Sport und Beruf eher selten.

Der Krümmungswinkel wird auf dem Röntgenbild in der Regel nach Cobb gemessen: die Deckplatte des oberen Wirbels, der am meisten gekippt ist, und die Abschlussplatte des unteren ebenso am meisten gekippten Wirbels werden jeweils mit einer Tangente versehen. Auf den Tangenten werden Senkrechten ausgerichtet, die zum Krümmungswinkel nach Cobb schneiden.

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